Tournee 2021/22

Eine spezielle 70. Vierschanzentournee ist zu Ende

Auch die 70. Auflage der Vierschanzentournee war zweifelsohne wieder eine ganz einzigartige und spezielle. Aus sportlicher Sicht stand für Michael Hayböck sein Comeback nur drei Monate nach der Bandscheiben-Operation im Vordergrund, bei Stefan Kraft lag der Fokus darauf, nach einer durchwachsenen Sommervorbereitung und einigen Auf und Abs im bisherigen Saisonverlauf konstanter zu werden. Für die Verantwortlichen stellte das Wetter und die aktuelle Corona-Situation eine Herausforderung dar. Deshalb konnten leider – wie im Vorjahr – keine Zuschauer zugelassen werden und die Maskottchen „Fin und Claw“ mussten vor dem Fernseher die Daumen drücken.

 

Stefan Kraft

Mit einem Einzelsieg, zwei dritten Plätzen und einem Teamsieg kam der 28-jährige Salzburger nach Oberstdorf zu einer Schanze, auf der er bereits zwei Tourneespringen sowie WM-Gold gewinnen konnte. Trotz der bisherigen Erfolge stand diese Tournee unter anderen Vorzeichen. Durch eine Zehenverletzung und angerissenen Bändern im Knöchel im Sommer verlief die Vorbereitung nicht ganz planmäßig, der Trainingsumfang musste deutlich eingeschränkt werden. Auch wenn Stefan Kraft in dieser Saison bereits vereinzelt Topsprünge und Topresultate gelangen, sucht er nach wie vor nach Konstanz.

Nichtsdestotrotz startete „Krafti“ mit soliden Sprüngen und einem Top 15-Platz in Oberstdorf in die 70. Auflage der Vierschanzentournee. In Garmisch-Partenkirchen, wo Stefan Kraft sich in den letzten Jahren bereits sehr schwer getan hatte, verpatzte er leider die Qualifikation. Davon ließ sich Kraft jedoch nicht unterkriegen. Nach einem eingeschobenen Training auf seiner „Jugendschanze“ in Seefeld, nutzte er am Ruhetag die Gelegenheit zum Langlaufen und Eisstockschießen, um den Kopf freizukriegen. Nachdem windbedingt kein Springen am Bergisel stattfinden konnte, zeigte Kraft bei schwierigen Bedingungen mit den Plätzen 23 und 24 eine kämpferische Leistung in Bischofshofen. Bei einem dritten Weltcupbewerb in Bischofshofen nach der Tournee gelang ihm mit dem Sprung in die Top 20 eine weitere Verbesserung.

Stefan Kraft nimmt sich nun eine Auszeit vom Weltcup und wird, um den Kopf frei zu bekommen, nicht mit nach Zakopane reisen. Er wird in Ruhe trainieren und kontinuierlich und kämpferisch weiter seinen Weg zu verfolgen.

 

Michael Hayböck

Für Michael Hayböck startete die 70. Vierschanzentournee als Teil der nationalen Gruppe erst am Bergisel. Nur drei Monate zuvor wurde der 30-Jährige mit starken Schmerzen, Taubheitsgefühlen im linken Bein und einem Bandscheibenvorfall operiert. Anschließend wurde ein genauer Plan festgelegt, damit Michi so bald wie möglich wieder in den Weltcup zurückkehren kann. Es folgten viele Schritte und geduldiges Arbeiten, um nach nur 12 Wochen wieder Teil des Weltcups sein zu können! Nach einer Ruhephase, Spaziergängen und leichtem Rumpftraining folgte das Herantasten an volle körperliche Belastung, bis der Oberösterreicher schlussendlich im Dezember das erste Mal wieder an der Schanze stand. Durch die windbedingte Absage des Bergisel-Springens fiel die dort knapp verpasste Qualifikation nicht mehr ins Gewicht. Dadurch gab es für „Michi“ zwei neue Chancen in Bischofshofen, wo er vor 7 Jahren seinen ersten Weltcupsieg feiern konnte.

Diese Gelegenheit nutzte Michael Hayböck auch direkt für sich. Nach guten Trainingsleistungen gelangen dem 30-Jährigen auch im Wettkampf zwei sehr gute Sprünge, mit denen er bei seinem Comeback den tollen 9. Platz belegte! Am Tag darauf bestätigte er mit einem 22. Platz seine gelungene Rückkehr in den Weltcup.

Diese beiden Resultate zeigen, dass sich die harte Arbeit in den letzten Wochen wirklich ausgezahlt hat. Für Michael Hayböck gilt es jetzt Schritt für Schritt weiter zu arbeiten, gut zu regenerieren und auch weiterhin gut auf den Körper zu achten, da die „verpassten“ Trainingswochen noch zu spüren sind. Als nächstes steht für „Michi“ Zakopane auf dem Programm, wo er wieder in den Weltcup einsteigen wird.

 

Insgesamt brachte die 70. Vierschanzentournee einige Auf und Abs, coole Sprünge und schwierige Herausforderungen für Stefan Kraft und Michael Hayböck. Trotz der präsenten Corona-Situation und der Verschiebung des Bergisel-Springens nach Bischofshofen, ging eine einzigartige und spezielle Tournee mit Ryoyu Kobayashis zweitem Tourneesieg würdig zu Ende. Was jedoch auch in diesem Jahr besonders fehlte, waren die tausenden Fans, die stets für eine großartige Stimmung und eine einzigartige Atmosphäre sorgten. Die Vorfreude ist demnach riesig, auf eine kommende Tournee mit ihren Fans, Farben, Glanzleistungen und Ikonen des Skisprungsports.